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Weihe

Wie soll man über etwas schreiben, was so unerklärlich ist?

Ich schreibe von mir, denn am besten erklärt man etwas, wenn man es selber erlebt hat.

In der Erstkommunionvorbereitung hat uns damals Herr Prälat sehr einfach und kindgerecht erklärt, dass der liebe Gott uns so sehr lieb hat, dass er uns vermisst. Und um uns das zu zeigen ist er in der kleinen Scheibe Brot, der Hostie bei uns, damit wir ihn in unseren Herzen mit nach Hause nehmen, wo er uns als Freund nie verlassen wird. Das ist bis heute mein Glaube und ich darf für mich sagen, dieser Glaube ist wahr. Ich habe ab der Erstkommunion nie mehr das Gefühl gehabt, dass er mich verlassen hätte. Ich habe nur nicht immer verstanden, was er von mir will.

Diese Eindrücke aus der Erstkommunion begleiteten mich ab da fortan ununterbrochen. Unser Heimatpfarrer, als ich Messdiener war, hat es exzellent verstanden uns den Glauben auf wunderbare und einmalige Art und Weise zu vermitteln. Bei ihm machte das Christsein, das Messdienen, das Engagement in der Kirche Freude und Spaß. Man konnte ihn alles fragen und er hatte Antworten. Antworten, die, wie ich für mein Leben sagen kann, wahr sind bis auf den heutigen Tag.

Die Jugendzeit war geprägt von der MItarbeit auf dem Bau im Bauunternehmen meiner Eltern. Ich entdeckte meine Liebe zu den Maschinen, von denen ich umgeben war und zum Handwerk. Es gab nichts, was ich nicht ausprobierte: jedes Gerät, jede Maschine. Mit 12 Jahren mit dem PKW auf der Straße.......mit 15 mit unserem LKW. Es gibt nichts, was ich nicht fahren würde. Alle Führerschein wollte ich haben und ich hab sie, PKW, LKW bis 42Tonnen ohne Gefahrengut, Omnibusführerschein, Motorrad. Ich fahre Bagger, Stabler, Multenkipper, alles, was Räder hat. Den Flugschein habe ich nicht gepackt.

Besucht habe ich ein naturwissenschaftiches Gymnasium (so hieß das damals mit Untertitel). Ich entdeckte, dass ich ein naturwissenschaftlicher Denker bin. Mathematik, Chemie, Biologie, Erdkunde, das waren meine besten Fächer. So belegte ich auch Mathematik, Chemie, Deutsch als Leistungsfächer und als mündliches Prüfungsfach Erdkunde. Mein Weg war irgendiwe klar. Ich wollte in die Chemie gehen oder in den eigenen Betrieb.

Und ich hatte eine große Liebe, um die ich buhlte: Eine Mitschülerin unseres Jahrgangs, die in meinen Augen bis auf den heutigen Tag die tollste Frau unseres Jahrgangs ist. Später hat sie meine Diplomarbeit getippt und ich durfte sie und ihren Mann trauen.

Aber da war es wieder - das Gefühl, dass das nicht das ist, was Gott von mir will.

Wir hatten einen äußert überzeugten Religionslehrer, der auch Priester ist. In meinen Augen ist er ein Prophet, den viele nicht verstehen, denn alles, was er zu der Zeit, zu der ich Schüler war, vorausgesagt hat, ist eingetroffen. Er hat uns deutlich gemacht, dass es Jesus Christus um nichts anderes geht als das Heil der Welt, das diese mehr und mehr verliert, weil sie ihr Menschsein der Oberflächlichkeit, den Äußerlichkeiten, dem gesellschaftlichen Stände- und Machtdünkel sowie dem Materialismus opfert.

Jesus aber mahnt uns in Mt 23-25 zur Gleichheit, Gerechtigkeit, Achtsamkeit, Augenhöhe, Toleranz.

Und da fielen mir wieder die Erfahrungen aus der Zeit auf den Baustellen ein - wie sich manche sehr wohlhabenden Kunden aufgespielt haben, wie zum Teil auf unsere sehr guten Arbeiter herabgeschaut wurde.

Ich habe mehr und mehr verstanden, was Jesus will: back to the roots of Genesis................im Ebenbildsein des Menschen vor Gott sind wir alle gleich und so sollten wir einander begegnen, damit die Welt eine Chance hat für Frieden und Gerechtigkeit, Wohlstand und Lebensraum für jede/n. Denn es gibt keinen Menschen, der über diesen Planeten schreitet, der nicht geliebtes Kind des Allmächtigen ist.

Es geht um was - um das Leben!

"Kirche" war für mich niemals ein Grund Priester zu werden, sondern der Zugriff Gottes, der mich nicht mehr losgelassen hat. Das Drumherum von "Kirche" war für mich schon als Jugendlicher störend und anstößig. Aber was Gott von uns will, was Jesus herausschreit am Kreuz, wenn er ruft: "Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!", das ist es wert. Ich bin ihm das wert, also darf er mir auch einiges wert sein.

Also machte ich mich auf den Weg, auf dem ich heute bin. Und das, obwohl ich gerade in den Fächern, die ich dafür brauchte, schlecht war: Geschichte, Sprachen, vor allem Latein, Musik/Gesang, Kunst.

Ich verstehe mich auch als Handwerker im priesterlichen Dienst.

Und Gott hat mich nie enttäuscht - die Kirche hingegen total.

Und dennoch würde ich wieder Priester werden, denn nur in einer Organisation - und welche, zeigt Dir Gott - kannst Du wirken. Daher ist Kirche auch notwendig; aber ganz sicher anders, als sie sich seit den 60ern entwickelt hat.

Der wichtigste Moment bei der Weihe im Speyrer Dom war für mich der, als ich mich flach auf den Bauch gelegt habe als Zeichen, dass ich mich ganz Gott unterwerfe. Bis heute ist das für mich der wichtigste Moment, der sich für mich nach wie vor richtig und gut anfühlt. Wohlgemerkt: Ich habe mich Gott unterworfen - NICHT der Kirche.

Wenn Du diese Unruhe spürst, die Dich beschäftigt, nicht mehr loslässt - dann sprich zuerst mit Deinem Pfarrer und mach ein freiwilliges Praktikum, um Einblick in die Vielfalt der Arbeit als Priester zu gewinnen. Dann erst entscheide, was Du denkst zu spüren, das Gott von Dir will.


Wie kann der Weg aussehen?

Es gibt verschiedene Bildungswege:

  • Nach dem Abitur ein Diplomstudiengang Theologie. In der Regel 5 Jahre.
     
  • Oder als Spätberufener, der schon eine berufliche Ausbildung hat, im Studienhaus St. Lambert [3. Bildungsweg] Lantersdofen


Nach dem qualifizierten Abschluss geht es gemeinsam weiter:

  • Zwei Jahre Pastoralausbildung im Priesterseminar Speyer, davon 8 Monate in einer Gemeinde im sogenannten Diakonatspraktikum, während dem man zum Diakon geweiht wird.
     
  • Am Ende dessen steht die Priesterweihe
     
  • Ihr folgt die Kaplanszeit, in der man meistens wenigstens zwei Pfarreien durchläuft.
     
  • Nach der ersten und zweiten Dienstprüfung hat man die Qualifikation leitender Pfarrer in einer Pfarrei zu werden.


Die Weihestufen:

Für die meisten, die das Studium beginnen, ist das Ziel Priester zu werden, aber man merkt irgendwann, ob das der Weg ist, oder doch eher nicht, denn Gott bietet uns mehrere Wege an, seine frohe Botschaft zu verkünden:


Diakon im Nebenberuf

Der Diakon im Nebenberuf arbeitet nicht hauptsächlich als Diakon. Er hat einen anderen Hauptberuf und übt das Amt des Diakons als Nebenberuf aus. Ist der Mann, der dieses Amt anstrebt, bereits verheiratet, wird er auch als verheirateter Mann geweiht und darf als Diakon auch weiterhin verheiratet sein.


Diakon im Hauptberuf

Wie der Diakon im Nebenberuf, nur dass er hauptberuflich das Amt des Diakons ausübt.


Diakon auf dem Weg zur Weihe

Wer Priester werden will, muss zunächst zum Diakon geweiht werden. Meistens ist dies aber nur ein halbes bis dreiviertel Jahr der Fall, dann folgt die Priesterweihe.


Was darf ein Diakon?

Alles, was ein Priester auch darf, nur folgende Aufgaben nicht:

  • Die Wandlung sprechen.
  • Die Beichte hören.
  • Die Krakensalbung spenden.
  • Die Firmung spenden.
  • Diakone, Priester oder Bischöfe weihen.
  • Die verwaltungstechnischen Leitungsaufgaben des Pfarrers ausüben, außer sie wurden ihm speziell übertragen.


Priesterweihe

Auch wenn dies oft das große Ziel ist, ist die Priesterweihe nicht die volle Weihe. Die volle Weihe ist die Bischofsweihe. Der Priester ist auf Gehorsam dem Bischof verpflichtet. Aber als Priester hat er die volle Sakramentalität - auch das Recht die Firmung zu spenden, wenn der Bischof ihn dazu beauftragt. Wird z.B. ein Erwachsener getauft, darf der Taufpriester auch die Firmung spenden.

Lediglich das Weiheamt und die Leitungsgewalt über die Diözese/das Bistum darf der Priester nicht ausüben.

Innerhalb seiner Pfarrei arbeitet und leitet er aber mit seinen Räten und Gremien recht selbständig und autonom.


Bischofsweihe

Die Bischofsweihe schließt die drei Weihen ab und ist die volle Weihe des Weihesakramentes. Zm Bischof bewirbt man sich nicht. Man wird dazu berufen durch den Papst. Manche kritisieren das Bischofsamt als "Karriere-Amt". Ich bin mir sicher, dass es in unserer Zeit, in der wir leben, kein "Karriere-Amt", sondern eine enorme Last und Bürde ist. Ich jedenfalls wollte auf keinen Fall Bischof sein.


Keine Weiheamt, aber unverzichtbar und absolut wichtig:

Zwar sind die folgende Berufe der Kirche kein Weiheamt, aber sie sind genauso wichtig und wertvoll!


Pastoralreferent*in und Gemeindereferent*in

Frauen und Männer, die diese beiden Berufe begleiten, sind nicht an den Zölibat gebunden.

Ihre Ausbildung ist oft weit besser auf die Seelsorgspraxis abgestimmt als die von uns Priestern. In meiner Vergangenheit habe ich stets auf die mir anvertrauten Pastoral- & Gemeinderferent*innen gehört und ihre Ratschläge befolgt. Ich war stets bestens damit beraten und bin ihnen dafür sehr sehr dankbar.


Weitere und detailliertere Informationen bietet die Homepage des Priesterseminars unter der Sparte "Ausbildung":
https://www.priesterseminar-speyer.de/ausbildung/

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